Unsere Website für
Ihr Land
FacebookTwitterYoutubepinterestRss

Eddy Merckx

Der „Kannibale von Tervuren“

 

Baron Edouard Louis Joseph Merckx ist zweifellos der bekannteste belgische Sportler. Er steht auf der Liste der 100 größten Sportler aller Zeiten.

 

Der Baron alias Eddy Merckx wurde am Ende des Zweiten Weltkriegs im Juni 1945 in Meensel-Kiezegem geboren, einer kleinen Gemeinde im Osten von Leuwen. Im Lauf seiner Karriere brachte ihm sein Heißhunger nach Siegen den Beinamen „Kannibale“ ein.

 

Brüsseler Kindheit

 

Papa Jules Merckx ist Tischler, bevor er sich als Lebensmittelhändler in Woluwe-Saint-Pierre niederlässt. Dort, in der Brüsseler Banlieue an der Avenue de Tervuren, wächst Eddy auf.

 

Der kleine Eddy bekommt mit vier Jahren sein erstes Fahrrad. Er ist sportlich und spielt zunächst Basketball, Tennis und Fußball. Mit zwölf kauft er sich sein erstes Rennrad, vom Trinkgeld bei der Arbeit im Laden seines Vaters. Dieser ist Radsportfan und nimmt Eddy mit zum Sechstagerennen und zur Zieleinfahrt des Rennens Paris-Brüssel. Fortan hat Eddy ein neues Vorbild: den belgischen Radrennfahrer Stan Ockers, Weltmeister von 1955.

 

Eddy Merckx' Karriere als Radrennfahrer beginnt 1961 in der Debütanten-Klasse. Bei seinem 14. Rennen holt er einen ersten Sieg in Petit-Enghien im Hennegau. Ein Jahr später, 1962, gewinnt er seinen ersten Meistertitel: Er wird belgischer Meister der Debütanten in Libramont. Drei Jahre danach ist er Amateur-Weltmeister. 1965 wechselt er in die Profi-Klasse.

 

Der Kannibale

 

Nichts kann Merckx mehr stoppen. Es folgen 525 Siege und Erfolge für den belgischen Meister. Sein unersättlicher Siegeshunger bringt ihm den Beinamen „Kannibale“ oder „Kannibale von Tervuren“ ein. Dank seiner Erfolgsbilanz steht er auf der Liste der 100 größten Sportler aller Zeiten – und ist immer noch weltbekannt.

 

Im kollektiven Gedächtnis hat sich vor allem das Bild von Eddy im Gelben Trikot als Sieger der Tour de France auf den Pariser Champs-Elysées eingebrannt. Aber auch in der Wallonie erringt er zahlreiche Siege. Er startet zwischen 1966 und 1977 zehn Mal beim Rennen Bastogne-Lüttich-Bastogne und gewinnt es fünf Mal. Er nimmt acht Mal bei der Flèche Wallonne teil und holt drei Siege. Außerdem fährt er mit beim Pfeil von Brabant, bei der Tour von Condroz, bei Paris-Brüssel (das mittlerweile Brussels Cycling Classic heißt) und bei der Belgien-Rundfahrt. Das Publikum ist begeistert und stets zur Stelle, um „seinen“ Champion anzufeuern.

 

Aber Eddy Merckx macht nicht nur in Belgien Karriere, sondern international. Lange Zeit hält er den Sieges-Rekord der Tour de France: fünf Siege in Folge zwischen 1969 und 1974. Er gewinnt außerdem fünf Mal die Italien-Rundfahrt und ein Mal die Spanien-Rundfahrt. Er ist drei Mal Straßen-Weltmeister (1967, 1971 und 1974). Und 1972 bricht er in Mexiko-Stadt den Stundenweltrekord.

 

Diese lange Karriere verläuft nicht immer geradlinig, reibungslos und ohne Schmerzen. 1978 zieht sich Eddy Merckx schließlich vom Wettkampf zurück. Aber vom Rad steigt er nicht ab.

 

Radfahren nach dem Wettkampf

 

Eddy Merckx nimmt nicht mehr an Wettkämpfen teil, bleibt dem Radsport aber verbunden. Heute fährt er zum Vergnügen; zum Beispiel seit 2013 beim „Gran Fondo Eddy Merckx“, einer klassischen Rennradtour über 155 Kilometer in der wunderbaren Landschaft der Ardennen. Dabei ist Eddy Merckx höchstpersönlich am Start. Vorher organisiert er den „Grand Prix Eddy Merckx“, ein Einzel- und später Paarzeitfahren. Es findet von 1980 bis 2004 im August in Brüssel statt und lockt einige der Besten dieser Disziplin an.

 

1980 wird der Profi-Radfahrer zum Unternehmer. Er entwirft Räder, die seinen Namen tragen und sich durch ihre Qualität auszeichnen. 2014 verlässt er die Firma, ist aber noch an Forschung und Entwicklung beteiligt.

 

Danke, Eddy

 

In Brüssel ist Eddy Merckx seit 2003 eine Station der Metro-Linie 5 gewidmet. Dort ist das Rennrad ausgestellt, mit dem Merckx 1972 den Weltrekord gebrochen hat. Fotos in einer Vitrine zeigen den Meister bei seiner Heldentat. Dieser Rekord wäre übrigens nur mit dem gleichen Rad zu brechen – sonst wäre das Ergebnis nicht gültig. In Woluwe, wo Eddy Merckx aufwuchs, gibt es außerdem ein nach ihm benanntes Schulzentrum.

 

1996 wird Merckx von König Albert II. von Belgien geadelt und erhält den Titel Baron.

 

2000 feiert der Internationale Radsportverband UCI sein hundertjähriges Jubiläum und ehrt Eddy Merckx zu diesem Anlass als besten Radrennfahrer des 20. Jahrhunderts. Außerdem wählen ihn das Belgische Olympische und Interföderale Komitee und der Belgische Sportjournalistenverband zum Sportler des Jahrhunderts in Belgien.

 

Das sind nur einige von zahlreichen Titeln, die Eddy Merckx erhalten hat.