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Stromae: der kleine Prinz von Brüssel

Stromae ist nur ein Künstlername. Sein wirklicher Name lautet Paul Van Haven. Er ist ein echter Brüsseler, geboren am 12. März 1985 als Sohn eines Ruanders und einer Belgierin.


© DR

 

Behütete Kindheit in Laeken

 

Mit seiner Mutter, drei Brüdern und Schwestern wächst Paul Van Haven in Laeken auf, in der Rue Stéphanie. Das Viertel liegt gleich neben dem Königlichen Park von Laeken, wo sich das Schloss und die Königlichen Gewächshäuser befinden. Paul nimmt den Bus 53 zur Schule nach Jette. Damals träumt er davon, Busfahrer zu werden.

 

Bis er 18 ist, spielt er Basketball im Club Excelsior in Bockstael zusammen mit Gregory, dem Sohn von „Mamy Beignet“. Groß und schlank wie er ist, gibt er einen prima Basketballspieler ab. Nach der Grundschule in Laeken besucht Paul zunächst das Institut de Sacré Coeur in Jette und dann das Internat in Godinne bei Namur.

 

Aus Paul wird Stromae

 

Mit der Musik beginnt Paul im Alter von elf Jahren an der Musik-Akademie in Jette. Seine Mutter ermuntert ihn, wie auch seine Brüder und Schwestern, alles auszuprobieren, auch die Musik. Die Van-Haven-Kinder besuchen also gemeinsam die Kurse an der Akademie. Der elfjährige Paul singt und spielt Schlagzeug. Mit 13 hat er seinen ersten Auftritt im Chor.

 

Ungefähr zu dieser Zeit entsteht Stromae. Paul versucht sich am Rap und nennt sich dafür „Opmaestro“. Das ähnelt aber zu sehr dem Pseudonym eines anderen Künstlers. Also wird „Opmaestro“ zu „Stromae“ – „Maestro“ in Verlan, also mit umgekehrten Silben. Mit 18 gründet Paul-Stromae mit dem Rapper J.E.D.I. die Gruppe Suspicion. Aber J.E.D.I. steigt nach nur einem Titel aus, der bezeichnenderweise heißt: „Faut que t'arrête le rap“.

 

Damit beginnt Stromaes Solokarriere. Er studiert am Brüsseler INRACI, einer Hochschule für Kinematographie, Fotografie und Elektronik, und produziert ein erstes Album mit vier Stücken. Er unterschreibt einen Plattenvertrag mit „Because Music“ und „Kilomêtre“. Gleichzeitig veröffentlicht er auf seiner Website seine „Leçons“: eine Art „Making of“-Videos, die jeweils thematisch zu einem seiner Lieder passen. Darin gondelt Stromae durch Venedig, torkelt über die Place Louise oder lässt sich im Studio auf die Finger schauen. Über diese Videos teilt Stromae seine Welt mit der Netzgemeinde.

 

Während einer Hospitanz bei Radio NRJ in Brüssel wird man auf seine Musik aufmerksam und spielt seinen Song „Alors on danse“ zum ersten Mal im Radio. Das bedeutet den Durchbruch für Stromae. Er gewinnt den französischen Musikpreis Victoire de la Musique einmal 2011 – und 2014 gleich drei Mal. Außerdem spielt er nicht nur eigene Konzerte, sondern steht bei allen großen Musikveranstaltungen mit auf der Bühne.

 

Place Louise – Startbahn für die internationale Karriere

 

Sein erstes Album, „Cheese“, wird zum Erfolg und erhält eine erste Victoire de la Musique. Stromae ist allgegenwärtig, mit seinem Lächeln, seinen geometrisch gemusterten bunten Poloshirts und der Fliege. Er setzt auf „Belgitude“, doch seine Musik kennt weder Grenzen noch Tabus. Er wird oft mit Jacques Brel verglichen – aber er hat seinen eigenen Stil und nimmt sich selbst nicht sehr wichtig.

 

Was er für ein Marketing-Genie ist, zeigt sich bei der Inszenierung seines Clips für „Formidable“ zum Start seines Albums „Racine Carrée“: Den dreht er – scheinbar betrunken – mit versteckter Kamera auf der Place Louise inmitten von Schaulustigen. Ausgelöst wird der Hype durch zwei Polizisten, die den in der Hauptstadt schon bekannten jungen Künstler ansprechen – und sich dabei als Fans outen. Ähnliches wiederholt sich in Kanada in der Metro in Montréal. Stromaes öffentliche Auftritte sind stets sorgfältig in Szene gesetzt und das Publikum weiß nie genau, was es erwartet.